Entwicklung der Corps

Die Universitäten des Mittelalters waren nicht nach Studienfächern, sondern nach den Herkunftsländern der Studenten, den „Nationes“ gegliedert. Die Studenten mußten damals in sogenannten „Bursen“ wohnen. (daher die Bezeichnung „Bursche“ für Mitglieder von Studentenverbindungen)

Nachdem zur Zeit der Reformation die Unterteilung nach Nationes an den Universitäten allmählich aufgegeben wurde, schlossen sich die Studenten selbst zu Landsmannschaften zusammen (17. und 18. Jahrhundert), um ihre Interessen besser vertreten zu können. Sie wachten Über die Wahrung der Studentenehre und ahndeten Verstöße. Die Mitgliedschaft blieb damals auf die Studienzeit beschränkt.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden, in Anlehnung an freimaurerische Ideen, studentische Orden. Sie wählten ihre Mitglieder nach Eignung aus, ohne die landsmannschaftliche oder soziale Herkunft zu berücksichtigen. Sie führten das Lebensbundprinzip ein, d.h. die Mitgliedschaft auf Lebenszeit. Sie vertraten die Ideale der französischen Revolution und wurden deshalb vom Staat als Geheimbünde verfolgt und verschwanden bis 1800. Sie beeinflußten aber das Gedankengut späterer Verbindungen nachhaltig.

Um 1800 entstand eine neue Form studentischer Gemeinschaften. Von den Orden übernahmen sie die Idee des auf Lebenszeit geschlossenen Freundschaftsbundes und die Auswahl der Mitglieder nach Eignung, von den Landsmannschaften zunächst auch noch die gemeinsame landsmannschaftliche Herkunft (z.B. Bavaria, Frankonia, Saxonia) und die Farben. Die Bezeichnung war zunächst „Kränzchen“, sie wurden aber wegen ihrer Struktur von der Öffentlichkeit mit den Landsmannschaften gleichgesetzt. Da die Landsmannschaften für die Behörden ein rotes Tuch waren (1810 Verfolgung der Landsmannschaften wegen Untergrabung der Disziplin), suchte der SC nach einer Tarnbezeichnung. „Corps“ war damals eine für alle möglichen Personengruppen übliche Bezeichnung (z.B. Corps der Professoren, Diplomaten, Damen, Schüler). Von Heidelberg ging die Bezeichnung Corps 1811/12 nach Göttingen und verbreitete sich weiter. Die Corps vertraten vaterländische Ideen, ohne sich direkt politisch zu betätigen. Sie wollten die Studentenehre bewahren und ihre Mitglieder zu ehrenhaften, ritterlichen deutschen Bürgern erziehen. Bereits die ersten Corps waren demokratisch aufgebaut. Die Entscheidungen wurden im Convent, der Versammlung aller Corpsangehörigen, getroffen. Die Mitglieder wählten für jedes Semester aus ihrer Mitte einen Senior, der das Corps leitete und nach außen vertrat. Aus den farbigen Abzeichen der Nationes und alten Landsmannschaften und den Ordensbändern der studentischen Orden entstanden bei den Corps das noch heute übliche Brustband und die Studentenmütze. Die Corps setzten auch das studentische Fechten fort. Das Fechten war seit Jahrhunderten in Deutschland Volksbrauch. Aus dem ungeregelten, spontanen Zweikampf, dem Duell, entwickelte sich bei den Corps nach und nach die Bestimmungsmensur, ein Fechten nach festen Regeln.

Die Corps gewannen rasch an Einfluss an den Universitäten. Die Senioren der örtlichen Corps bildeten einen Seniorenconvent (SC) und stellten Regeln für das Zusammenleben der Studenten auf: den Komment. Der SC überwachte die Einhaltung des Komment und vertrat vielerorts die Studentenschaft gegenüber Behörden und Bürgern.

1815 wurde die erste Burschenschaft gegründet. Ihr Ziel war die Abschaffung der Einzelverbindungen und der Zusammenschluß aller Studenten in einer „Urburschenschaft“. Die Corps standen der Idee einer einheitlich politisierten Studentenschaft jedoch kritisch gegenüber und bewahrten ihre eigenständige Linie. Auch dadurch wurde die Bezeichnung Corps weiter verbreitet. Dennoch traf das Verbot der Burschenschaften in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 auch die Corps. Es lösten sich Phasen stillschweigender Duldung und scharfer Verfolgung ab.

Nach 1848 erlebten die Corps einen starken Aufschwung. Es bildeten sich die beiden großen corpsstudentischen Verbände: der Kösener Senioren-Convents- Verband (KSCV) an den geisteswissenschaftlichen Hochschulen (gegr.: 1848) und der Weinheimer Senioren-Convent (WSC) an den technischen Hochschulen (gegr.:1863).

Der Weimarer Republik standen die Corps loyal gegenüber. In dieser Zeit hatten die Corps den stärksten Zulauf seit ihrer Gründung. Auf die Ideen des Nationalsozialismus reagierten die Corps bzw. die einzelnen Mitglieder sehr unterschiedlich. Es fehlte zwar nicht an Warnern, aber viele der durchweg vaterländisch eingestellten Corpsstudenten waren angesichts der damaligen wirtschaftlich schlechten Lage für die Ziele der Nationalsozialisten. Das fährte schon bald zu krassen Meinungsunterschieden innerhalb der Dachverbände, was ein gemeinsames Handeln immens behinderte. Es gab heftige Auseinandersetzungen mit dem NSDStB und der damaligen politischen Führung, insbesondere als die Nationalsozialisten versuchten, die Corps für ihre Zwecke in das totalitäre System einzugliedern.

Als den Nationalsozialisten klar wurde, daß sie die Korporationen nicht als Ganzes in den „Gleichschritt der deutschen Nation“ einreihen konnten, versuchten sie 1935 durch das allgemeine Korporationsverbot, sich der unkontrollierbaren Gemeinschaften zu entledigen.

Herkunft der Fuchsia

Zunächst wurde jedem Corps auf Vereinbarung ein Rekrutierbezirk (Keilbezirk) zugewiesen, d.h. ein bestimmtes geographisches Gebiet, in dem sie Nachwuchs werben (keilen) durften. (landsmannschaftliches Prinzip): z.B. Franken für Frankonia, Westfalen für Guestphalia. Damals waren die CB während des gesamten Studiums aktiv, sie hatten sofort nach der Aufnahme Sitz und Stimme im Convent. Die Anzahl der Vollmitglieder war begrenzt. Es gab außerdem eine große Zahl ( über 100) von sogenannten Rennoncen (der Status ist vergleichbar mit den heutigen Verkehrsgästen). Aus dieser Gruppe wurde der Nachwuchs ausgewählt. Gegen einen Beitrag wurde man als Außenstehender Rennonce, d.h. man erwarb das Recht für den Besuch von Veranstaltungen, des Fechtbodens und die Benutzung der Mensurausrüstung im Ernstfall (Waffenschutz). Starke Rennoncenschaft bedeutete gute Stellung eines Corps. Seit dem 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bekamen die Rennoncen zweifarbige Bänder, einige wurden sogar philistriert (Rennoncenphilister). Nichtkorporierte Studenten wurden z.B. als „Finken“, „Wilde“ und „Kamele“ bezeichnet. Durch das Entstehen der Burschenschaften kam es zu einem Rennoncenrückgang, es entwickelte sich allmählich das heutige Fuchsenwesen.
Fuchs (urspr.: Fux) – lat.: faex: Hefe, Abschaum
Rennonce – frz.: renoncer – verzichten, hier: Verzicht auf die aktive Teilnahme